Bayerischer Heilbäder-Verband fordert Reformen und bessere Strukturpolitik

22.11.2012. Neue Volkskrankheiten, mangelnde Prävention, ein drastischer Rückgang an Badekuren und fehlendes Gesundheitsmanagement in den Betrieben – für diese Herausforderungen ist der Freistaat Bayern nach Ansicht des Bayerischen Heilbäder-Verbandes nicht ausreichend gerüstet.

„Die Staatsregierung hat noch keine zielgerichtete Politik, die der Bedeutung der Gesundheitswirtschaft gerecht wird“, sagte der Vorsitzende des Bayerischen Heilbäder-Verbandes Klaus Holetschek zum Abschluss des 66. Bayerischen Heilbäder-Tages in Bad Hindelang. „Wir sehen zwar die Bemühungen im Gesundheits- und Wirtschaftsministerium, und wir sind auch froh darum, doch ein klares Konzept sehen wir nicht.“ Holetschek forderte die Staatsregierung, Arbeitgeber, Gewerkschaften, Krankenkassen und Verbände auf, ein großes „Bündnis für gesunde Mitarbeiter“ zu schließen.

„Wir brauchen einen gemeinsamen Plan, damit wir den Kurswechsel vom Kurieren von Krankheiten hin zur echten Prävention schaffen.“ Holetschek schlug als nächste Schritte konkret vor:

• Eine Standortstudie für Ansiedlungen von Hotels in Kurorten und Heilbädern. „Die Heilbäder und Kurorte sind prädestinierte Standorte für qualitativ hochwertige Unterkünfte. Dieses Profil müssen wir herausarbeiten.“
• Nach dem bundesweit einmaligen Förderprogramm zur Steigerung der medizinischen Qualität durch das Gesundheitsministerium wäre im zweiten Schritt ein Programm zur Verbesserung der Infrastruktur nötig. Viele Heilbäder und Kurorte haben Bedarf.

Beispiele: ein Moorbadehaus in Bad Aibling, Wanderwege in Bischofsgrün, die Kurparkerweiterung in Bad Feilnbach oder die Sanierung der Kneippanlagen in Bad Grönenbach. „Dabei ist auch überlegenswert, ob man die Förderprogramme nicht umstellt. So könnte man bei den Schlüsselzuweisungen den erhöhten Aufwand der Heilbäder und Kurorte berücksichtigen.“

• Die Einrichtung von Gesundheitsagenturen. Sie sollten in den von den Heilbädern und Kurorten geprägten bayerischen Gesundheitsregionen Netzwerke knüpfen und die Wertschöpfung steigern
• Die Weiterentwicklung der Marke „Gesundes Bayern.“ Diese neue und starke Marke steht exklusiv für die Kurorte und Heilbäder zur Verfügung und ist die Brücke in die Gesundheitswirtschaft.
• Um die Leistungsfähigkeit von Hotel- und Gastronomiebetrieben zu erhalten und Investitionen zu ermöglichen, sollte der Umsatzsteuersatz in der Gastronomie ähnlich bei Hotels gesenkt werden.

Holetschek machte die enorme Bedeutung der Gesundheitswirtschaft deutlich. „In diesem Bereich arbeiten über 800.000 Menschen. In der Automobilindustrie, die in Bayern als wichtiges Standbein der Wirtschaft bezeichnet wird, sind es knapp 170.000. Die Heilbäder und Kurorte sichern 100.000 Arbeitsplätze und generieren eine Wertschöpfung von 3,7 Milliarden Euro im Jahr.

Und dann sind sie nicht einmal in der Fortschreibung des Landesentwicklungsplanes vorhanden.“ Dabei konnte der Verband für 2011 ein positives Fazit ziehen. Nach massiven Rückgängen in den letzten 15 Jahren gab es erstmals wieder ein leichtes Plus bei den Übernachtungen. Sie stiegen um 1,9 Prozent auf 21,3 Millionen an.

Sorgen bereiten dem Verband der drastische Rückgang ambulanter Badekuren von bundesweit 900.000 Mitte der 90er Jahre auf rund 68.000 im Jahr 2011. „Wir müssen neue Modelle in der Prävention entwickeln. Hier sind wir auf die Mitarbeit von Krankenkassen, der Tarifvertragsparteien und der Staatsregierung angewiesen. Der Weg zur Kur darf kein Hürdenlauf für die Patienten mehr sein. Wir brauchen die Kur als Pflichtleistung, wir brauchen klare Zuständigkeiten.“ Eine weitere große Herausforderung ist der drohende Mangel an Kur- und Badeärzten.

So werden in den nächsten fünf Jahren schätzungsweise 486 von 970 Kurärzten in Deutschland ihre Tätigkeit beenden. „Wenn dieser Trend anhält, fallen bis zum Jahr 2016 vermutlich 93 von 368 Kurorten in Deutschland aufgrund der Altersstruktur der Ärzte weg“, so Klaus Holetschek. „Dann haben wir nur noch 275 Kurorte. Und in 188 dieser Kurorte sind nur mehr ein bis zwei Kurärzte tätig. Beenden diese Kurärzte die Zulassung, fallen auch diese Orte weg.“

Der Bayerische Heilbäder-Verband fordert deshalb eine Reform bei der Weiterbildung zum Kur- und Badearzt. Denkbar wäre, dass die Aus- und Weiterbildung an die Naturheilverfahren angekoppelt wird und Module aus dem betrieblichen Gesundheitsmanagement übernommen werden. „Wir sind froh darüber, dass die Weiterbildung wieder berufsbegleitend ist. Hier gilt unser Dank der Landesärztekammer.“

Bei der nicht öffentlichen Mitgliederversammlung wurde Holetschek für weitere drei Jahre in seinem Amt als Vorsitzender bestätigt.

Als Stellvertreter wurde wieder der Bürgermeister von Bad Füssing, Alois Brundobler gewählt. Schatzmeister bleibt der ehemalige Kurdirektor von Bad Feilnbach Sepp Höfer. Auch die anderen Vorstandsmitglieder wurden wiedergewählt. Als Geschäftsführer des Verbandes wurde Rudolf Weinberger in seinem Amt bestätigt. Der Bayerische Heilbäder-Verband wurde am 1. März 1948 gegründet und ist die wichtigste Organisation im Kurbereich auf Landesebene.

Der Verband hat seinen Sitz in Bad Füssing. Sein Hauptziel ist die Förderung der Gesundheit durch qualifizierte Kuren, Reha-Maßnahmen und gesundheitsbetonte Urlaubsprogramme.