Rückensprechstunde – was wirklich hilft

Hamburg (ots) – Rund 70 Prozent der Bundesbürger leiden mindestens einmal im Jahr an Rückenschmerzen. Bei 15 Millionen Deutschen sind die Beschwerden sogar chronisch. Deren Behandlung verursacht jährlich Kosten von 50 Milliarden Euro, die durch ein umfassendes Versorgungskonzept gesenkt werden könnten. Das Fitness- und Gesundheitsmagazin VITAL befragt in seiner aktuellen Ausgabe (6/10; EVT: 26. Mai) zehn Experten unterschiedlicher Fachgebiete, was zu einem solchen Konzept gehören würde.

Bewegung ist für viele der Experten der entscheidende Aspekt. Ergonomiker Detlef Detjen, Pressesprecher der „Aktion Gesunder Rücken“, beklagt die zu einseitigen Belastungen im Alltag und plädiert für eine rückenfreundliche Arbeitsplatzgestaltung, bei der man neben dem Sitzen möglichst viel gehen und stehen sollte.

Auch Physiotherapeut Günther Grasse betont die Wichtigkeit von Bewegung für die Wirbelsäule. Neben einem Spaziergang in der Mittagspause empfiehlt er zweimal wöchentlich Ausdauersport und einmal wöchentlich gezieltes Krafttraining, um den Rücken zu stärken und Überlastungen vorzubeugen.

Bewegung baut gleichzeitig auch seelische Anspannungen ab, die ebenfalls ein Auslöser für Beschwerden sein können. „Die Psyche spielt bei Rückenschmerzen eine entscheidende Rolle“, sagt die Gesundheitswissenschaftlerin und Dipl.-Psychologin Julia Scharnhorst und rät zum Erlernen einer Entspannungsmethode. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt der Orthopäde und Yogalehrer Dr. Günter Niessen, der die körperliche und psychische Wirkung von Yoga hervorhebt.

Chirurgische Eingriffe sollten dagegen nur vorgenommen werden, wenn es keine Alternativen zur konservativen Therapie gibt. „In Deutschland wird zu oft und zu schnell an der Wirbelsäule operiert“, kritisiert Dr. Reinhard Schneiderhan, Präsident der Deutschen Wirbelsäulenliga. Statt Operationen am offenen Rücken empfiehlt er minimalinvasive Verfahren, bei denen ein Bandscheibenvorfall zum Beispiel per Laser geschrumpft wird. „Leider existieren in Deutschland erste wenige Rücken-Zentren, in denen man fächerübergreifend zusammenarbeitet“, beklagt der Experte. „Doch genau so eine integrierte Versorgung ist wichtig.“